Die nordhessische Stadt Kassel ist Belgiern höchstens von der alle fünf Jahre stattfindenden internationalen Ausstellung für zeitgenössische Kunst, der documenta, ein Begriff. Kassel ist stolz auf seine documenta und bezeichnet sich auch offiziell als ‚documenta-Stadt‘. Nicht nur während der hundert Tage, die stets in den Sommer fallen, ist Kassel von Kunst geprägt. Auch zu anderen Jahreszeiten mischen sich kunstinteressierte Besucher unter die Kasseler (nach Kassel gezogene Einwohner), Kasselaner (in Kassel geborene Einwohner) und Kasseläner (Einwohner, deren Eltern schon in Kassel geboren wurden). (Ich bin übrigens eine Kasselanerin.) Da die Stadt bei jeder documenta Kunstwerke ankauft, findet sich das ganze Jahr über Kunst im öffentlichen Raum. Joseph Beuys hat außerdem mit seinen 7000 Eichen – Stadtverwaldung statt Stadtverwaltung (documenta 7, 1982) dafür gesorgt, dass Kassel eine besonders grüne Stadt ist.
Mit rund 200.000 Einwohnern verfügt Kassel auch über eine beeindruckende Vielzahl an Museen: von den klassischen Kunstmuseen wie dem Schloss Wilhelmshöhe (mit seiner großen Sammlung niederländischer Barockmalerei), über das Fridericianum (eines der ersten öffentlichen Museen der Welt und heute ein Museum für zeitgenössische Kunst), bis hin zur Caricatura (der Galerie für Komische Kunst). Natürlich darf auch die GRIMM Welt nicht fehlen, denn Kassel ist die deutsche Märchenstadt schlechthin (Stichwörter: ‚die Brüder Grimm‘ und ‚Deutsche Märchenstraße‘). Besonders stolz ist die Stadt aber vor allem auf den Bergpark Wilhelmshöhe, der seit einigen Jahren UNESCO-Welterbe ist. Die beleuchteten Wasserspiele und das gigantische Herkules-Standbild (das eigentliche Wahrzeichen der Stadt) sind bei einem Kassel-Besuch nicht zu verpassende Highlights.
Natürlich stimmt es auch, dass Kassel für seinen wenig charmanten ICE-Bahnhof oder die ‚Elefanten-Rennen‘ (LKWs, die sich in den Kasseler Bergen zum Leidwesen der Autofahrer bergauf überholen) bekannt ist. Und die Innenstadt ist zum Teil tatsächlich vom Nachkriegscharme geprägt. Dennoch hat Kassel so viel zu bieten, dass es sich neben dem großen Konkurrenten Frankfurt am Main durchaus sehen lassen kann. Sich nicht vom ersten Anblick täuschen lassen – so lautet mein Tipp!