In Belgien ist der Name Neo Rauch noch relativ unbekannt. Dabei gilt der 1960 in Leipzig geborene Künstler als einer der bedeutendsten Maler seiner Generation. Seine Werke werden weltweit ausgestellt und gesammelt – vom Metropolitan Museum of Art in New York bis zur Pinakothek der Moderne in München. Und auch Hollywood hat Rauch entdeckt: Brad Pitt kaufte 2009 auf der Art Basel eines seiner Gemälde.
Rauchs Gemälde und Grafiken sind zugleich vertraut und befremdlich. Figuren scheinen zu arbeiten, zu warten oder irgendwohin unterwegs zu sein, doch was genau geschieht, bleibt oft rätselhaft. Einflüsse des sozialistischen Realismus und amerikanischer Comics verbinden sich mit Erinnerungen, Traumbildern, Visionen und historischen Bezügen zu einer scheinbar vertrauten, zugleich aber eigenwilligen Welt „voller Widerhaken und Zweifel, voller Spott und schwarzem Humor“ (De Tijd, 24.06.2026). Die Werke sind farbenfroh, vielschichtig und bisweilen surreal – und lassen einen so schnell nicht mehr los.
Die Retrospektive im Museum De Reede umfasst 38 Jahre künstlerischen Schaffens. Mit nicht weniger als 101 Grafiken ist die Ausstellung so umfangreich, dass die Werke aus der ständigen Sammlung des Museums von Rops, Goya und Munch vorübergehend auf eine andere Etage umziehen mussten. Bei unserem Besuch entdecken wir die außergewöhnliche Expo gemeinsam mit dem niederländischen Kunsthistoriker und Kurator Ralph Keuning. Keuning hat bereits drei Ausstellungen zu Rauchs Werk kuratiert und über den Künstler publiziert. Bei dieser besonderen Gelegenheit nimmt er uns mit in die faszinierende Bildwelt des international renommierten Leipziger Künstlers.
Die Ausstellung ist noch bis zum 19. Oktober 2026 zu sehen.