{"id":432,"date":"2021-01-21T21:23:26","date_gmt":"2021-01-21T20:23:26","guid":{"rendered":"https:\/\/daskulturforum.be\/?post_type=leestips&#038;p=432"},"modified":"2021-04-25T11:41:18","modified_gmt":"2021-04-25T09:41:18","slug":"spurensuche","status":"publish","type":"leestips","link":"https:\/\/daskulturforum.be\/de\/leestips\/spurensuche\/","title":{"rendered":"Spurensuche"},"content":{"rendered":"\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\"><p>\u201eEtwas kommt in den Sinn. Jagt nicht und biegt nicht ein wie Wagen, die von Stephansplatz in eine Nebengasse wollen, sondern biegt ein wie die Stra\u00dfe selbst, hat Knopfgesch\u00e4fte und Kaffeeh\u00e4user in sich, \u00f6ffnet und verbirgt vieles, zeigt die Schaufenster und alles, was vorne liegt, und l\u00e4sst die Magazine im Dunkel. Ich wei\u00df von den Schokoladekuchen, von der Hochzeit des Joachim und der Anna, die sie vergessen haben, von der Judengasse, in die der Wind weht. So hilft uns der Himmel. Lasst doch die Sonne ruhig matter werden! Es gibt Wolle und Schuhe zu kaufen in den Seitengassen. Und eine Stiege, mit Gras bewachsen, f\u00fchrt hinunter. Die Orte, die wir sahen, sehen uns an.\u201d<\/p><\/blockquote>\n\n\n\n<p><em>Stadtmitte <\/em>ist der erste Text der in den 50er Jahren entstandenen Prosasammlung <em>Kurzschl\u00fcsse<\/em>. Es handelt sich um Prosagedichte, die jeweils einen Ort oder eine Stra\u00dfe in Wien thematisieren und dabei einen Stadtrundgang inszenieren, der vom Zentrum, dem Stephansplatz, ausgeht und sich dann spiralenf\u00f6rmig durch die ganze Stadt weiterbewegt. Die Wiener Orte werden personifiziert, verlangen Rechenschaft und verbinden die Vergangenheit eines \u201edamals\u201d \u2013 vor allem in den Jahren 1938-1945 \u2013 Geschehenen mit der Gegenwart der Schreibenden. Die Texte in <em>Kurzschl\u00fcsse<\/em> muten geheimnisvoll und hermetisch an, lassen sich aber aufgrund der Einsicht in die Erinnerungsarbeit, die sie leisten, entziffern und entschl\u00fcsseln. Die Zusammenh\u00e4nge entstehen in diesen Texten aus einem W\u00f6rtlichnehmen der Sprache, das eine Spurensuche erm\u00f6glicht, die den Rundgang durch die Stadt zu einer Erfahrung des Vergangenen werden l\u00e4sst, das das Heute jener, die sich auf diesen Rundgang begeben, mit einbezieht. Die Stiege, von der am Schuss die Rede ist, f\u00fchrt hinunter, zum Morzinplatz und zum Josephskai, wo sich im fr\u00fcheren Hotel Metropol das Gestapohauptkwartier befand. In dessen N\u00e4he, in der Marc Aurelstrasse lebte Aichinger w\u00e4hrend des Krieges mit ihrer Mutter. Dar\u00fcber, \u00fcber die Stiegen, die zu dieser Vergangenheit f\u00fchren, \u201cw\u00e4chst Gras\u201d, ein Ausdruck f\u00fcr das Vergessene. In Aichingers <em>Kurzschl\u00fcsse <\/em>sehen diese vergessenen Orte uns an.<\/p>\n","protected":false},"featured_media":478,"template":"","class_list":["post-432","leestips","type-leestips","status-publish","has-post-thumbnail","hentry"],"acf":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/daskulturforum.be\/de\/wp-json\/wp\/v2\/leestips\/432","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/daskulturforum.be\/de\/wp-json\/wp\/v2\/leestips"}],"about":[{"href":"https:\/\/daskulturforum.be\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/leestips"}],"version-history":[{"count":18,"href":"https:\/\/daskulturforum.be\/de\/wp-json\/wp\/v2\/leestips\/432\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":6058,"href":"https:\/\/daskulturforum.be\/de\/wp-json\/wp\/v2\/leestips\/432\/revisions\/6058"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/daskulturforum.be\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/478"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/daskulturforum.be\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=432"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}