{"id":951,"date":"2018-01-01T21:36:00","date_gmt":"2018-01-01T20:36:00","guid":{"rendered":"https:\/\/daskulturforum.be\/?post_type=interviews&#038;p=951"},"modified":"2021-05-10T13:07:48","modified_gmt":"2021-05-10T11:07:48","slug":"jan-henric-bogen","status":"publish","type":"interviews","link":"https:\/\/daskulturforum.be\/de\/interviews\/jan-henric-bogen\/","title":{"rendered":"Jan Henric Bogen"},"content":{"rendered":"\n<h3 class=\"wp-block-heading\"><strong>Dies ist ein Doppel-Interview mit nur einem Mann, denn in Jan Henric Bogens Brust schl\u00e4gt sowohl ein Manager- als auch ein K\u00fcnstlerherz. Weshalb er die perfekte rechte Hand des k\u00fcnstlerischen Leiters des fl\u00e4mischen Opernhauses&nbsp;<em>Opera Vlaanderen<\/em> ist. Er wohnt und joggt in der N\u00e4he des Hafengebietes <em>Eilandje<\/em> (Inselchen, Anm. der Red.), pendelt f\u00fcr seine Arbeit zwischen den Opernh\u00e4usern von Antwerpen und Gent und sp\u00fcrt Talente im In- und Ausland auf.<\/strong><\/h3>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\"><span class=\"has-inline-color has-central-palette-8-color\">Interview&nbsp;<strong>Goedele Krekels<\/strong>&nbsp;\u2013 \u00dcbersetzung&nbsp;<strong>Sandra Kar\u00f3lyi&nbsp;<\/strong>\u2013&nbsp;01|01|2018<\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span class=\"has-inline-color has-central-palette-3-color\">Wie sieht Ihr Arbeitstag aus?<\/span><br>Ich bin die Schaltstelle zwischen allen Abteilungen der&nbsp;<em>Vlaamse Opera<\/em>: Gemeinsam mit dem k\u00fcnstlerischen Leiter des Opernhauses befasse ich mich mit der Suche nach geeigneten S\u00e4ngerinnen und S\u00e4ngern sowie mit der terminlichen und k\u00fcnstlerischen Ausarbeitung der n\u00e4chsten Spielpl\u00e4ne. Ich handele die Vertr\u00e4ge mit den Agenturen aus, bin aber zugleich w\u00e4hrend der Probenzeit sehr intensiv in den k\u00fcnstlerischen Prozess involviert. Ich versuche, die Abteilungen des Opernhauses mit den k\u00fcnstlerischen Teams zusammenzubringen, damit so die f\u00fcr unsere Produktionen bestm\u00f6glichen Umst\u00e4nde entstehen. Folglich trifft man mich oft bei den Proben im Saal an, aber ebenso oft auch im B\u00fcro, wo ich der Ansprechpartner f\u00fcr die S\u00e4nger, die Regisseure, die Dirigenten, die K\u00fcnstleragenturen sowie f\u00fcr das Verwaltungspersonal und die technischen Mitarbeiter der fl\u00e4mischen Oper bin.<\/p>\n\n\n\n<p><span class=\"has-inline-color has-central-palette-3-color\">Sie haben Jura, Musikwissenschaften und Kulturmanagement in Heidelberg, K\u00f6ln und Hamburg studiert. In welchem Ma\u00dfe haben diese St\u00e4dte Sie beeinflusst?<\/span><br>Ich lebe mich eigentlich \u00fcberall schnell ein. Gro\u00df geworden bin ich im Rheinland, aber ich betrachte es nicht wirklich als meine Heimat. \u00dcber die Region K\u00f6ln und Bonn kann ich sagen, dass die Menschen dort das Leben mit einer gewissen Leichtigkeit und Humor nehmen. Sie beherzigen das Prinzip des \u201ees wird schon werden\u201c und des \u201edas wird schon klappen\u201c, was mir gut gef\u00e4llt.<\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\"><p>Das Zusammenspiel von Musik, Text und Bild empfinde ich als etwas Einzigartiges. Und das, was nicht mit Worten ausgedr\u00fcckt wird, wird von Musik erf\u00fcllt.<\/p><\/blockquote>\n\n\n\n<p><span class=\"has-inline-color has-central-palette-3-color\">Von den Rechts- zu den Musikwissenschaften \u2013 wie logisch war dieser Schritt f\u00fcr Sie?<\/span><br>Ich hatte ziemlich schnell die Einsicht gewonnen, mich nicht nur mit juristischer Thematik besch\u00e4ftigen zu wollen. Darum habe ich beide Studienzweige kombiniert. W\u00e4hrend die eine Studienrichtung mich nur m\u00e4\u00dfig inspirierte, fehlte mir bei der anderen die praktische Anwendung. H\u00f6chstwahrscheinlich hat das mit meiner Erziehung zu tun: Meine Mutter ist K\u00fcnstlerin \u2013 Malerin und Bildhauerin \u2013, mein Vater hingegen ist studierter Physiker und als Wissenschaftler t\u00e4tig.<br>Ich war daheim eindeutig derjenige, den die Musik am meisten fasziniert hat. In meiner Jugend habe ich Klavier-, Bratschen- und Gesangsunterricht gehabt und sogar erwogen, weiter Musik zu studieren. Aber dann habe ich mich doch ganz bewusst f\u00fcr Jura entschieden, auf Grund meiner Begeisterung f\u00fcr die dahinter steckende Philosophie: Wie gehen wir im t\u00e4glichen Leben miteinander um und wie wird dies am Text deutlich? Erst im Laufe meines Studiums habe ich festgestellt, dass Musik f\u00fcr mich mehr ist, als nur ein Hobby. Ich f\u00fchlte mich sehr stark durch das Kulturmanagement angezogen, das damals ein noch nicht so bekannter Bereich war.<\/p>\n\n\n\n<p><span class=\"has-inline-color has-central-palette-3-color\">Haben Sie schon immer eine Vorliebe f\u00fcr die Oper gehabt?<\/span><br>Ja, Opern sind meine Leidenschaft. Meine ersten Opern waren Schulvorstellungen. Als ich im Alter von sechs Jahren <em>Die Zauberfl\u00f6te<\/em> gesehen habe, wurde ich sofort vom \u00dcberw\u00e4ltigenden dieser Oper erfasst. Sp\u00e4ter bin ich mit Freunden nach Bonn in die Oper gegangen.<br>Oper hat etwas Gr\u00f6\u00dfenwahnsinniges. Es bedarf vieler Leute, damit eine Vorstellung l\u00e4uft: ein Orchester, ein Chor, S\u00e4ngerinnen und S\u00e4nger, ein Dirigent, ein Regisseur, Assistenten, Mitarbeiter der B\u00fchnenbild- und Gewandmeister-Teams, Techniker, Kost\u00fcm- und B\u00fchnenbildner, manchmal auch T\u00e4nzer usw. Diese Berufe-Kombination gibt es nur an einem Opernhaus und wenn alles gut klappt, dann entsteht ein einzigartiges Spannungsfeld, dann kommt Magie auf. Das Zusammenspiel von Musik, Text und Bild empfinde ich als etwas Einzigartiges. Und das, was nicht mit Worten ausgedr\u00fcckt wird, wird von Musik erf\u00fcllt.<\/p>\n\n\n\n<p><span class=\"has-inline-color has-central-palette-3-color\">Was haben Sie von Ihrer Auslandserfahrung nach Flandern mitgebracht?<\/span><br>Durch meinen dreifachen Ausbildungsweg habe ich ganz unterschiedliche Dinge erreichen k\u00f6nnen. In Hagen, Wien und N\u00fcrnberg habe ich als Dramaturg, Agent von Operns\u00e4ngern und als Produktionsleiter berufliche Erfahrungen sammeln k\u00f6nnen. Kommunikation und das Zusammenbringen von Menschen standen dabei immer im Mittelpunkt. Bevor ich in Antwerpen anfing, war ich vier Jahre lang am gro\u00dfen Staatstheater N\u00fcrnberg t\u00e4tig, wo sowohl Opern als auch Ballett- und Theaterst\u00fccke sowie Konzerte gegeben werden. Die Auff\u00fchrungen erfolgen nach dem Prinzip des Repertoiresystems, d.h. dass neben der Arbeit an einer oder zwei neuen Produktionen jeden Abend eine andere Oper aus dem bestehenden Repertoire gespielt wird. In Opera Vlaanderen dagegen arbeitet man nach dem Stagione-System, wobei die einzelnen Produktionen innerhalb einer Spielzeit aufeinander folgen. Wenngleich das eine System dem Publikum eine gr\u00f6\u00dfere Wahl l\u00e4sst, so bietet das andere System viel mehr technische und k\u00fcnstlerische M\u00f6glichkeiten. Wir bauen ein B\u00fchnenbild innerhalb einer Woche auf. Um das gleiche Ergebnis mit einem B\u00fchnenbild zu erreichen, das in nur wenigen Stunden auf- und abzubauen ist, muss man schon \u00fcber ein ganz betr\u00e4chtliches Budget verf\u00fcgen. Ich empfinde es als einen gro\u00dfen Vorteil, dass sich s\u00e4mtliche Mitarbeiter auf das gleiche St\u00fcck konzentrieren und Teil einer einheitlichen Truppe sind.<\/p>\n\n\n\n<p><span class=\"has-inline-color has-central-palette-3-color\">Angenommen, Sie m\u00fcssten eine Unterrichtsstunde im Fach \u201aMusikgeschichte deutscher Opern\u2018 halten, was w\u00fcrden wir bei Ihnen lernen?<\/span><br>Ich habe ein wenig M\u00fche, den Link zwischen Oper und Nationalit\u00e4t oder gar Nationalismus herzustellen. Mozart hat nat\u00fcrlich deutsche Opern komponiert, aber war er deshalb ein deutscher Opernkomponist? Geboren wurde er in \u00d6sterreich, die Musik zu seinen Opern schuf er anhand deutscher, aber auch italienischer Libretti. H\u00e4ndel wurde in Halle geboren, machte aber in London Karriere, weshalb er in Gro\u00dfbritannien als englischer Komponist verstanden wird, obwohl er auch auf Italienisch schrieb.<br>F\u00fcr Wagner war die Nationalit\u00e4tsfrage nat\u00fcrlich wichtig, da er sich mit seiner Musik ganz deutlich von der franz\u00f6sischen und italienischen Operntradition unterscheiden wollte. Aber selbst wenn sich eine Kunstrichtung von anderen Stil- und Kunstformen distanziert, bleibt sie definitionsgem\u00e4\u00df mit ihnen verbunden.<br>In der Bibliothek des Staatstheaters N\u00fcrnberg, der Stadt der Reichsparteitage, liegen noch immer einige, mit einem Hakenkreuz versehene Partituren herum: Beweis f\u00fcr eine schreckliche Verkn\u00fcpfung von Kunst und Staat. Wagners Opern wurden von den damaligen Machthabern genutzt und missbraucht. Wagner selbst war ein deutscher Nationalist und Antisemit, aber muss deshalb sein Werk darauf reduziert werden? Es ist so wie mit Kevin Spacey: K\u00f6nnen wir seine berufliche Leistung noch w\u00fcrdigen, wenn wir wissen, was er als Mensch tut?<\/p>\n\n\n\n<p><span class=\"has-inline-color has-central-palette-3-color\">Was muss man \u00fcber Opern wissen?<\/span><br>Laien auf diesem Gebiet w\u00fcrde ich vor allem empfehlen, ins Opernhaus zu gehen, um dort Opern mit allen Sinnen zu erfahren und sich von dieser Kunstform ein eigenes Bild zu machen. Opern sollten, finde ich, f\u00fcr alle zug\u00e4nglich sein, sowohl was das Betreten des Hauses und den Preis eines Sitzplatzes, als auch was die Auff\u00fchrung selbst betrifft. Es ist absolut m\u00f6glich, dass man ber\u00fchrt und von Empfindungen mitgerissen wird, auch wenn man nicht alles verstanden hat. Das ist meiner Meinung nach die Zielvorgabe f\u00fcr eine gute Opernauff\u00fchrung.<\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\"><p>Opern, die zuweilen \u00fcber zweihundert Jahre alt sind, bringen wir nicht nur wegen ihrer sch\u00f6nen Musik, sondern auch wegen ihres universell und zeitlos g\u00fcltigen Kerns, wo es oft um Liebe, Psychologie, Macht und Politik geht.<\/p><\/blockquote>\n\n\n\n<p>In Hagen habe ich f\u00fcr ein kleines Opernhaus mit einem begrenzten Haushalt gearbeitet. Dort haben wir eine moderne Oper aufgef\u00fchrt, die auf dem Film&nbsp;<em>Gegen die Wand<\/em>&nbsp;(Fatih Akin, 2004) basiert. Das Libretto war voller starker Worte und das St\u00fcck in jeder Hinsicht gewaltig: \u00fcberw\u00e4ltigend und gewaltsam. Also nicht gerade das, was sich die meisten Menschen unter einer Oper vorstellen. Wir haben damals ganz bewusst ein junges Publikum eingeladen und die Reaktionen waren durchgehend positiv. Dadurch wei\u00df ich heute, wie wichtig es ist, Menschen mit der Kunstform der Oper in Kontakt zu bringen, um ihnen so ihre Vorurteile zu nehmen.<br>Ein weiteres, interessantes Merkmal stellen besondere technische F\u00e4higkeiten dar, wie z.B. die Tatsache, dass Operns\u00e4nger ohne Verst\u00e4rker singen. Die menschliche Stimme fungiert unmittelbar als Instrument. Dass man einen S\u00e4nger oder eine S\u00e4ngerin \u00fcber die 60 bis 80 Musiker, die im Orchestergraben sitzen, hinweg h\u00f6ren kann, liegt daran, dass sie auf Grund ihrer Ausbildung, harter Arbeit und eines besonderen Talentes eine spezifische Technik anwenden k\u00f6nnen. Den meisten Menschen ist dies nicht bewusst.<\/p>\n\n\n\n<p><span class=\"has-inline-color has-central-palette-3-color\">Sie haben an verschiedenen Orten an Opernauff\u00fchrungen mitgewirkt. Ist das Publikum unterschiedlich?<\/span><br>Ich habe das Gef\u00fchl, dass das Antwerpener Publikum dem Neuen ziemlich offen gegen\u00fcbersteht. Es tut sich hier auf k\u00fcnstlerischer Ebene so viel, dass den Menschen hier wirklich eine sehr gro\u00dfe Auswahl geboten wird. Dadurch, dass sich das Publikum der verschiedenen Kulturh\u00e4user miteinander vermischt, entsteht ein durch den bereits viel erlebten Kulturgenuss sensibilisiertes Publikum, das bewandert und aufgeweckt ist. Wer dieses Publikum \u00fcberraschen will, muss sich schon anstrengen.<\/p>\n\n\n\n<p><span class=\"has-inline-color has-central-palette-3-color\">Spielt das aktuelle Zeitgeschehen eine Rolle bei der&nbsp;<em>Vlaamse Opera<\/em>?<\/span><br>Ja, doch. Und manchmal ist die Aktualit\u00e4t auch verbl\u00fcffend nah an der Geschichte: Unl\u00e4ngst haben wir in Gent&nbsp;<em>Le duc d\u2019Albe<\/em>&nbsp;(<em>Der Herzog von Alba<\/em>, Anm. d. Red.) inszeniert, eine Oper aus dem 19. Jahrhundert, in der es um die Besetzung Flanderns durch die Spanier geht. Das St\u00fcck handelt von Freiheit, vom Volk, das sich gegen den Besatzer auflehnt. Unser k\u00fcnstlerischer Leiter Aviel Cahn hatte Carles Puigdemont, den katalanischen Ex-Pr\u00e4sidenten, eingeladen, der aus Br\u00fcssel kam, um sich die Auff\u00fchrung anzuschauen. Der spanische Botschafter ist unserer Einladung nicht gefolgt. Obwohl die Oper mit dem Abzug des Herzogs von Alba und den Worten <em>Vive la libert\u00e9!<\/em> (Es lebe die Freiheit!, Anm. der Red.) endet, geht aus der Inszenierung deutlich hervor, dass er nicht als Sieger davonzieht. Die Chors\u00e4nger stehen dabei auf der B\u00fchne, gekleidet in Anz\u00fcgen ohne Kopf dar\u00fcber, als w\u00e4ren sie enthauptet. Die urspr\u00fcnglich unvollendete Oper von Donizetti wurde auf unseren Wunsch hin von Giorgio Battistelli, einem zeitgen\u00f6ssischen Komponisten, mit einem neuen Ende versehen, weshalb der Unterschied zwischen dem klassischen Anfang und dem moderneren Ende ganz deutlich h\u00f6rbar ist. Der Text lautet zwar <em>Vive la libert\u00e9!<\/em>, aber die Musik dazu klingt wie ein Requiem \u2013 ein sch\u00f6nes Beispiel f\u00fcr das, was ich vorhin \u00fcber das Zusammenspiel von Text und Musik gesagt habe.<br>Opern, die zuweilen \u00fcber zweihundert Jahre alt sind, bringen wir nicht nur wegen ihrer sch\u00f6nen Musik, sondern auch wegen ihres universell und zeitlos g\u00fcltigen Kerns, wo es oft um Liebe, Psychologie, Macht und Politik geht. Es liegt am Regisseur zu beschlie\u00dfen, wie klassisch bzw. zeitgen\u00f6ssisch und wie konkret bzw. abstrakt er inszenieren will. Soll eine Interpretation von Donald Trump oder von Kim Jong-un entstehen oder soll nur zu verstehen gegeben werden, dass zwischen einem Tyrannen von gestern und einem von heute kein so gro\u00dfer Unterschied ist?<\/p>\n\n\n\n<p><span class=\"has-inline-color has-central-palette-3-color\">Sie wohnen und arbeiten seit 2016 in Antwerpen. K\u00f6nnen Sie uns die Stadt durch Ihre Augen betrachtet zeigen?<\/span><br>Ehe ich mich hier bewarb, kannte ich Antwerpen nicht, obwohl die Stadt nicht weit von K\u00f6ln liegt. Ich habe den Unterschied in Sachen \u00c4sthetik, Architektur und Organisation v\u00f6llig untersch\u00e4tzt; schon bei meiner Ankunft im Hauptbahnhof, wo Tradition und Funktionalit\u00e4t sichtbar zusammenlaufen. N\u00fcrnberg ist von der Einwohnerzahl her genau so gro\u00df, aber dort habe ich mich ganz anders gef\u00fchlt. N\u00fcrnberg ist eine angenehme, sympathische Stadt mit nordbayrischer Identit\u00e4t. Sie ist nicht verschiedenen Einfl\u00fcssen ausgesetzt, wie sie Antwerpen beispielsweise durch den Hafen erf\u00e4hrt. Ich laufe sehr gern am Noordkasteel herum und entlang der \u00d6lraffinerien, dort wo die Schelde etwas breiter wird. An freien Tagen zieht es mich auch schon einmal an die Weiten der Nordsee.<\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\"><p>An meinem ersten Arbeitstag in der Oper habe ich alle dazu aufgefordert, mich auf Niederl\u00e4ndisch anzusprechen und manche Kollegen habe ich auch gebeten, mir meine E-Mails korrigiert zur\u00fcckzuschicken.<\/p><\/blockquote>\n\n\n\n<p><span class=\"has-inline-color has-central-palette-3-color\">Was haben Sie unternommen, um Niederl\u00e4ndisch zu lernen?<\/span><br>Ich habe die Sprache in kurzer Zeit erlernt. Ich habe mich eine Woche lang mit einem Privatlehrer in die Abtei von Averbode zur\u00fcckgezogen. Das war unglaublich anstrengend, vielleicht war das sogar eine der intensivsten Wochen meines Lebens. Schon beim Fr\u00fchst\u00fcck ging mit den Br\u00fcdern die Diskussion zu religi\u00f6sen Fragen los. Die \u00fcbrige Zeit habe ich sprechend, lesend und schreibend mit meinem Lehrer verbracht. Nach dieser Woche habe ich mich weiter im H\u00f6ren und im Sprechen ge\u00fcbt, wozu schon ein wenig Mut n\u00f6tig war. An meinem ersten Arbeitstag in der Oper habe ich alle dazu aufgefordert, mich auf Niederl\u00e4ndisch anzusprechen und manche Kollegen habe ich auch gebeten, mir meine E-Mails korrigiert zur\u00fcckzuschicken. Die M\u00fche, die ich mir gemacht habe, wurde sehr gesch\u00e4tzt und so habe ich im Gegenzug sehr viel Unterst\u00fctzung erhalten.<\/p>\n\n\n\n<p><span class=\"has-inline-color has-central-palette-3-color\">Welches Gef\u00fchl gibt Ihnen die niederl\u00e4ndische Sprache?<\/span><br>Ich finde, dass jede Sprache die Pers\u00f6nlichkeit eines Menschen ein wenig ver\u00e4ndert. Wenn einem die idiomatischen Ausdr\u00fccke einer Sprache gel\u00e4ufig sind, versteht man die Leute besser. Und indem man dann fremdsprachliche Ausdrucksweisen \u00fcbernimmt, nimmt man auch etwas von der Mentalit\u00e4t mit. So geht es mir z.B. mit den Verkleinerungsformen: Ich verlange nicht nach einer Eintrittskarte f\u00fcr die Oper, sondern nach einem Eintrittsk\u00e4rtchen. Das klingt charmant, wie als w\u00fcrde man nur um eine Kleinigkeit bitten. Das w\u00fcrde man auf Deutsch nicht so ausdr\u00fccken.<\/p>\n\n\n\n<p><span class=\"has-inline-color has-central-palette-3-color\">Sie verbringen ziemlich viel Zeit in der Antwerpener Oper. An welchen anderen Orten der Stadt halten Sie sich gern auf?<\/span><br>Ich wohne nicht weit weg vom MAS-Museum, einem beachtlichen Geb\u00e4ude. Auch das neue Hafengeb\u00e4ude finde ich von der Architektur her sehr sch\u00f6n. Und das Museum Mayer van den Bergh. Von au\u00dfen denkt man, es sei nur ein gew\u00f6hnliches, altes Haus, aber sein unglaublicher Reichtum steckt innen drin.<\/p>\n\n\n\n<p><span class=\"has-inline-color has-central-palette-3-color\">Wie sieht die Zukunft der&nbsp;<em>Opera Vlaanderen<\/em>&nbsp;aus?<\/span><br>Spannend! F\u00fcr die Spielzeit 2019-2020 erwarten wir einen neuen k\u00fcnstlerischen Leiter, den Flamen Jan Vandenhouwe. Er geh\u00f6rt zu einer neuen Generation von Leitern, die mit der in- und ausl\u00e4ndischen Welt der Kunst vertraut sind. Au\u00dferdem sollen der Zusammenschluss und die Zusammenarbeit von Oper und Ballett in unseren Produktionen noch sichtbarer werden; an diesem gro\u00dfartigen und einzigartigen Potential, das unser Opernhaus auszeichnet, arbeite ich sehr gern mit.<\/p>\n","protected":false},"featured_media":781,"template":"","class_list":["post-951","interviews","type-interviews","status-publish","has-post-thumbnail","hentry"],"acf":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/daskulturforum.be\/de\/wp-json\/wp\/v2\/interviews\/951","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/daskulturforum.be\/de\/wp-json\/wp\/v2\/interviews"}],"about":[{"href":"https:\/\/daskulturforum.be\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/interviews"}],"version-history":[{"count":32,"href":"https:\/\/daskulturforum.be\/de\/wp-json\/wp\/v2\/interviews\/951\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":6903,"href":"https:\/\/daskulturforum.be\/de\/wp-json\/wp\/v2\/interviews\/951\/revisions\/6903"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/daskulturforum.be\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/781"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/daskulturforum.be\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=951"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}