{"id":2070,"date":"2016-07-01T15:15:00","date_gmt":"2016-07-01T13:15:00","guid":{"rendered":"https:\/\/daskulturforum.be\/?post_type=interviews&#038;p=2070"},"modified":"2021-05-10T13:12:04","modified_gmt":"2021-05-10T11:12:04","slug":"liz-rowold","status":"publish","type":"interviews","link":"https:\/\/daskulturforum.be\/de\/interviews\/liz-rowold\/","title":{"rendered":"Liz Rowold"},"content":{"rendered":"\n<h3 class=\"wp-block-heading\"><strong>Liz&nbsp; Rowold war Hebamme in K\u00f6ln, als ihr Mann Ende 1968 das Angebot bekam, in Belgien zu arbeiten. Das Paar nahm die Herausforderung an und beschloss, f\u00fcr zwei Jahre nach Belgien zu ziehen. Das unregelm\u00e4\u00dfige Leben als Hebamme lie\u00df sich nur schwer kombinieren mit der Erziehung von zwei jungen Kindern und mit einem Ehemann, der oft auf Gesch\u00e4ftsreise war. Liz entschied sich daf\u00fcr, den Haushalt auf sich zu nehmen, \u201cweil es damals noch als selbstverst\u00e4ndlich galt, dass die Frau zu Hause blieb\u201d.<\/strong> <strong>Aus den zwei Jahren in Belgien wurden letztendlich vier Jahrzehnte. Trotzdem f\u00fchlt sich Liz noch immer mit ihrer Heimat verbunden, insbesondere mit dem Rheinland. Obwohl sie dort nicht aufwuchs, betrachtet sie K\u00f6ln als \u201cihre Stadt\u201d, weil sie dort gewohnt und gearbeitet hat.<\/strong><\/h3>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\"><span class=\"has-inline-color has-central-palette-8-color\">Interview <strong>Tom Calmeyn<\/strong> &#8211; \u00dcbersetzung <strong>Sven Fabr\u00e9<\/strong> &#8211; 01|07|2016<\/span><br><\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"has-text-align-center wp-block-heading\"><span class=\"has-inline-color has-central-palette-3-color\">\u201cWenn ich su an ming Heimat denke und sin d&#8217;r Dom su v\u00f6r me ston, <\/span><br><span class=\"has-inline-color has-central-palette-3-color\">m\u00f6\u00f6ch ich direkt op Heim an schwenke, ich m\u00f6\u00f6ch zo Foss no K\u00f6lle gon.\u201d<\/span><\/h3>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-center\"><span class=\"has-inline-color has-central-palette-3-color\">Uit <em>Heimweh nach K\u00f6ln<\/em> (1936), het bekende lied in het <\/span><br><span class=\"has-inline-color has-central-palette-3-color\">Keulse dialect dat als onoffici\u00eble stadshymne van Keulen geldt, <br>geschreven door de Keulse componist Willi Ostermann.<\/span><\/p>\n\n\n\n<p><br><span class=\"has-inline-color has-central-palette-3-color\">Wieso kam es, dass Sie l\u00e4nger als geplant in Belgien geblieben sind?<\/span><br>Mein Mann wollte sich selbst\u00e4ndig machen. Daran, wo wir wohnten, war uns nicht sehr viel gelegen. Wenn man jung ist, geht man mehr Risiko ein. Wir haben unsere Kinder aber schon auf eine deutsche Schule geschickt, die von deutschen Firmen wie Bayer und BASF eingerichtet war. So stellten wir sicher, dass ihnen das Deutsche gel\u00e4ufig war, sollten wir jemals nach Deutschland zur\u00fcckziehen.<\/p>\n\n\n\n<p><span class=\"has-inline-color has-central-palette-3-color\">Konnten Sie schon ein wenig Niederl\u00e4ndisch, als Sie nach Belgien kamen?<\/span><br>Nein, mein Mann hat Franz\u00f6sisch gesprochen, und auch ich hatte Grundkenntnisse. In Br\u00fcssel haben wir zun\u00e4chst vor allem Franz\u00f6sisch und Englisch gesprochen. Niederl\u00e4ndisch habe ich eigentlich \u201aauf der Stra\u00dfe\u2018 gelernt. Zu Anfang hatte ich kaum Zeit. Das ist logisch, wenn man kleine Kinder hat und ein Haus renoviert. An sich fand ich es aber schon wichtig, die Sprache zu lernen. Wenn man irgendwo neu ist, muss man die \u00f6rtliche Sprache beherrschen, damit man Kontakte kn\u00fcpfen kann. Die Leute kommen nicht spontan auf dich zu. Nach dem Umzug nach Brasschaat habe ich Zeichenstunden genommen, wo ich schon bald Niederl\u00e4ndisch lernte. Viele Kollegen meines Mannes waren Niederl\u00e4nder, im Kontakt zu ihnen habe ich auch etwas mitbekommen. Und ich traf nat\u00fcrlich auch viele Flamen, etwa im Kindergarten meiner Tochter.<\/p>\n\n\n\n<p><span class=\"has-inline-color has-central-palette-3-color\">Ihre Kinder sprechen flie\u00dfend Niederl\u00e4ndisch, obwohl die Verkehrssprache zu Hause und in der Schule haupts\u00e4chlich Deutsch war. Wie erkl\u00e4rt sich das?<\/span><br>Meine Kinder haben auf der Stra\u00dfe und im Jugendverein Niederl\u00e4ndisch gelernt. Sie besuchten die Musikschule, die Zeichenschule und Sportklubs, wo sie viele niederl\u00e4ndischsprachige Kinder trafen.<\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\"><p>In Deutschland, oder zumindest in meiner Heimatregion, wird man viel schneller bei jemandem zu Hause eingeladen. Belgier sind auf diesem Gebiet weniger spontan. Sie verabreden sich eher in der Kneipe oder im Restaurant und brauchen auch immer einen deutlichen Anlass.<\/p><\/blockquote>\n\n\n\n<p><span class=\"has-inline-color has-central-palette-3-color\">Welche Unterschiede zwischen Flandern und Deutschland sind Ihnen sofort aufgefallen?<\/span><br>In Deutschland, oder zumindest in meiner Heimatregion, wird man viel schneller bei jemandem zu Hause eingeladen. Belgier sind auf diesem Gebiet weniger spontan. Sie verabreden sich eher in der Kneipe oder im Restaurant und brauchen auch immer einen deutlichen Anlass. Dar\u00fcber habe ich mich am Anfang schon gewundert. Auch das Essen war nat\u00fcrlich anpassungsbed\u00fcrftig. (lacht) Hier gab es vor allem Wei\u00dfbrot. Viele Deutsche sind nur wegen Dunkelbrot von Br\u00fcssel nach Aachen gefahren. Das habe ich niemals getan, aber jedes Mal, als ich in Deutschland war, habe ich typische Lebensmittel eingekauft. Was mir wohl gefiel, war die Tatsache, dass die Belgier mit frischen Zutaten kochten. In Deutschland benutzte man damals \u00f6fter Konserven.<\/p>\n\n\n\n<p><span class=\"has-inline-color has-central-palette-3-color\">\u00dcber die Firma Ihres Mannes hatten Sie viel Kontakt zu anderen Deutschen. War Ihnen das wichtig damals?<\/span><br>Ich konnte nur ein bisschen Franz\u00f6sisch, als wir in Br\u00fcssel waren. Deshalb haben wir am Anfang vor allem Deutsche kennengelernt. Viele Deutsche lebten in Woluwe und das haben wir bewusst nicht gemacht. Als wir nach Belgien umzogen, wollte ich unter Belgiern wohnen. <br>In Antwerpen haben wir \u00fcber die deutsche Grundschule in Stabroek Freunde gemacht. Diese Schule gibt es heute nicht mehr, weil \u00fcber die Jahre immer mehr Belgier in den deutschen Firmen arbeiteten, die die deutsche Schule gegr\u00fcndet haben. Die Deutschen, die heute in diesen Unternehmen arbeiten, kommen h\u00e4ufig ohne Familie nach Belgien und arbeiten hier nur f\u00fcr drei bis vier Jahre. Das ist schon anders als fr\u00fcher.<\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\"><p>Was man aber unbedingt mal miterleben muss, ist der K\u00f6lner Karneval. In K\u00f6ln nennt man den Karneval auch die f\u00fcnfte Jahreszeit. Er f\u00e4ngt schon am elften Tag des elften Monats um elf nach elf an.<\/p><\/blockquote>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<p><span class=\"has-inline-color has-central-palette-3-color\">Haben Ihnen bestimmte deutsche Br\u00e4uche gefehlt, als Sie in Belgien waren?<br><\/span>Wir sind am 15. Dezember 1968 in Br\u00fcssel angekommen, ich war damals schwanger. Mir ist gleich aufgefallen, dass Weihnachten in Deutschland ganz anders gefeiert wurde als hier. Heiligabend verbrachte man in Deutschland haupts\u00e4chlich zu Hause mit der Familie. Restaurants und Caf\u00e9s waren geschlossen. Ich wei\u00df noch, dass ich in die Stadt ging, um meine Mutter \u00fcbers Telefon anzurufen, und dass ich es befremdend, ja sogar ein bisschen \u00e4rgerlich fand, dass es so viele Menschen auf der Stra\u00dfe gab.<br>Auch heute noch feiere ich Weihnachten auf die deutsche Art und Weise, zusammen mit meinen Kindern und Enkeln. Sogar meine Enkel sagen, dass Heiligabend erst angefangen hat, wenn die ganze Familie bei mir zu Hause zusammensitzt! (Lacht.)<\/p>\n\n\n\n<p><span class=\"has-inline-color has-central-palette-3-color\">Welche Orte in Antwerpen w\u00fcrden Sie Besuchern empfehlen?<\/span><br>Wenn ich mit deutschen Freunden in der Stadt bin, zeige ich ihnen immer die Liebfrauenkathedrale und das gem\u00fctliche Viertel darum herum. Auch der <em>Vlaeykensgang <\/em>finde ich sehr sch\u00f6n, und es gibt auch viele gem\u00fctliche Innenh\u00f6fe in der Innenstadt. Es h\u00e4ngt nat\u00fcrlich viel davon ab, mit wem man unterwegs ist. Selber besuche ich gerne Ausstellungen, und auch ein Spaziergang entlang der Schelde kann sehr sch\u00f6n sein. Antwerpen hat f\u00fcr mich ein sehr besonderes Ambiente im Vergleich zu Br\u00fcssel. Ich habe drei Jahre in Br\u00fcssel gewohnt, aber Antwerpen gef\u00e4llt mir viel besser. Br\u00fcssel ist sehr international und kosmopolitisch, doch auf dem Gro\u00dfen Markt hatte ich nie das Gef\u00fchl: \u201eHier m\u00f6chte ich mal was trinken gehen.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p><span class=\"has-inline-color has-central-palette-3-color\">Wenn Sie Belgier in K\u00f6ln herumf\u00fchren w\u00fcrden, welche Orte w\u00fcrden Sie ihm unbedingt zeigen?<br><\/span>Der Dom darf nat\u00fcrlich nicht fehlen, aber auch der Rhein und die Altstadt von K\u00f6ln sind sehr sch\u00f6n. Dazu gibt es viele interessante Museen, wie das Ludwigmuseum, das Wallraf-Richartz-Museum und das Asiatische Museum. Was man aber unbedingt mal miterleben muss, ist der K\u00f6lner Karneval. In K\u00f6ln nennt man den Karneval auch die f\u00fcnfte Jahreszeit. Er f\u00e4ngt schon am elften Tag des elften Monats um elf nach elf an. Dann organisieren viele Vereine einen eigenen Ball. Erst nach Weihnachten geht es dann wieder richtig los. Diese Tradition beschr\u00e4nkt sich nicht auf die Stadt; im ganzen K\u00f6lner Umland lebt der Karneval!<\/p>\n\n\n\n<p><span class=\"has-inline-color has-central-palette-3-color\">Was sind in Deutschland Ihre Lieblingsst\u00e4dte?<\/span><br>Eine Lieblingsstadt habe ich nicht, aber ich mag Mainz, weil ich dort studiert habe. Als junges M\u00e4dchen bin ich durch ganz Deutschland getrampt. Das ist heute weniger selbstverst\u00e4ndlich. So habe ich das Land ziemlich gut kennengelernt, aber ich finde es schwierig, eine Stadt als Lieblingsstadt zu kennzeichnen. F\u00fcr mich ist eine Stadt erst interessant, wenn man dort Leute kennengelernt hat. Erst dann hat man sch\u00f6ne Erinnerungen an den Ort. <br>Es ist sowieso recht schwierig, als Neuling in Verbindung zur Lokalbev\u00f6lkerung zu treten. In K\u00f6ln gibt es daf\u00fcr ein Wort &#8211; man nennt solche Einwanderer \u201edie imitierten K\u00f6lner\u201c.<\/p>\n","protected":false},"featured_media":2066,"template":"","class_list":["post-2070","interviews","type-interviews","status-publish","has-post-thumbnail","hentry"],"acf":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/daskulturforum.be\/de\/wp-json\/wp\/v2\/interviews\/2070","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/daskulturforum.be\/de\/wp-json\/wp\/v2\/interviews"}],"about":[{"href":"https:\/\/daskulturforum.be\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/interviews"}],"version-history":[{"count":60,"href":"https:\/\/daskulturforum.be\/de\/wp-json\/wp\/v2\/interviews\/2070\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":6910,"href":"https:\/\/daskulturforum.be\/de\/wp-json\/wp\/v2\/interviews\/2070\/revisions\/6910"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/daskulturforum.be\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/2066"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/daskulturforum.be\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=2070"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}